B.G. Turner, Autorin 

Wie es zu Lenny vom See kam


Bis zum Jahr 2002 hatte ich nichts von einem Kinderheim in Cighid gehört. Aber dann fiel mir ein Zeitungsartikel in die Hände, der die Zustände in rumänischen Kinderheimen erschütternd beschrieb.

Berührt vom Elend dieser Waisen, wollte ich mich engagieren, einen hellen Lichtkegel setzen auf das unglaubliche Leid dieser Kinder, dessen traumatische Folgen sie bis zum Lebensende begleiten werden.

Die Idee nahm Gestalt an - in Form eines Romans. Erwarten Sie keine politische Geschichte, sie ist es nicht.

Um das schwierige Thema zu entschärfen, erschien mir Fantasy das passende Genre.

So wurde Lenny vom See geboren, ein modernes Märchen, das in den 1970 er Jahren beginnt.

 B.G. Turner


Leseprobe aus Lenny vom See "Die Quelle"

Eingebettet zwischen dichten Wäldern und hohen Felsen lag der Große See. Grün wie ein riesiger Smaragd glänzte er inmitten der Berge, das Eis war geschmolzen, der Schnee zerronnen.

In den Wiesen ging es lebhaft zu. Störche kündigten den Frühling an, sie mahnten zum Nestbau, den die Enten längst beendet hatten und schon aufmerksam ihre Jungen bewachten. Die Küken paddelten im seichten Wasser, weit weg von der Mitte des Sees, wo plötzlich dichte Luftbläschen nach oben perlten und zwei Gestalten auftauchten. Sie verständigten sich durch einen Blick und kraulten mit langen Zügen ans Ufer.

"Gewonnen." Der junge Mann ließ sich in den Sand fallen. Er beschattete seine Augen gegen die Sonne und sah zu, wie seine Schwester die Böschung erklomm.

Sie drückte das Wasser aus ihrem Haar. "Ja", sagte sie. "Heute. Letztes Mal war ich zuerst da."

Aries schenkte ihr ein müdes Lächeln. "Nur weil ich dir einen Vorsprung gelassen habe."

Sie ließ sich neben ihn plumpsen. Wasserperlen überzogen ihre helle Haut. Ihr silbergrünes Haar glänzte in der Sonne. Sie drehte es zu einem Zopf und steckte Gänseblümchen zwischen die Flechten. Mit gekrauster Nase musterte sie die Berge. "Nun wirst du wohl bald fort gehen?", fragte sie kummervoll. 

"Ja", sagte er, "endlich."